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Markt aktuell
Der Marken-Turbo: das Internet


„Wer die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten will, muss die Geschichten verstehen, die hinter ihm liegen“.  TOYS betreibt mit Hilfe von Peter Kircher und Thomas Völklein (IFOM) „Vergangenheitsbewältigung“ und zeigt, wie man mit dem Internet in allen Bereichen des Marketing effizienter wird.

Um die rasante Dynamik und die Mechanismen im Umfeld des Internets zu verstehen und hieraus Konsequenzen für die eigene Arbeit im Unternehmen abzuleiten, blicken wir kurz zurück in die Vergangenheit.

80er Jahre
Boris Becker und Steffi Graf bestimmen das Tennisgeschehen und sorgen für Deutschlands Tennismärchen. Produktwelten werden in einem gigantischen Ausmaß entwickelt. Beide Sportler werden von unterschiedlichen Sportartikelunternehmen als Werbeträger einheitlich klassisch vermarktet. Produkt, Preis, Penetration und Point of Sale sind die maßgeblichen Kriterien für die Unternehmens- und Marketingausrichtung im Rahmen des klassischen Marketing-Mix der vier P’s.
Der Spielwarenmarkt ist klassisch strukturiert. Fachhandel, Warenhäuser und Versender haben das Sagen. TRU betritt den deutschen Markt.
Erste Heimcomputer erscheinen und entwickeln sich in den Folgejahren zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor der Unterhaltungs- und Kommunikationsindustrie.

90er Jahre
Die allmähliche Verbreitung des Internet auch außerhalb universitärer und wissenschaftlicher Kreise führt zur digitalen Revolution mit gravierenden Konsequenzen für Industrie, Handel und Endkonsumenten.
Mytoys als Online Händler startet 1999. Bereits 1998 startet amazon.de in Deutschland nach Gründung 1994 in USA.

2000er Jahre
Das Internet gilt als eine der größten Veränderungen des Informationswesens seit der Erfindung des Buchdruckes. Sein unaufhaltsamer Aufstieg zum Massenmedium hat große Auswirkungen auf diverse Bereiche des alltäglichen Lebens.
Mit zunehmender Verbreitung von Breitband-Internetzugängen entwickelt sich das Internet zum Universalmedium. Telefonieren, Video- und Fernsehprogramme ansehen, Texte an beliebige Empfangsgeräte (Fax, SMS, E-Mail) versenden, Einkaufen, Bankgeschäfte und Behördengänge erledigen – all das ist (auch) per Internet möglich.
Mit dem iPhone rückt ab 2007 das mobile Internet ins öffentliche Interesse. 2010 ist bereits jedes fünfte verkaufte Handy ein internetfähiges Smartphone. Damit ist das Internet nicht nur mobil, sondern dank GPS-Empfänger auch ortsbezogen nutzbar.

Was heißt das konkret
für die Spielwarenbranche?
• Das Internet ermöglicht als maßgeb-licher Impulsgeber und Informationsmedium einen gewaltigen Hebel, um Botschaften zu adressieren. Nach wie vor wird es in seinen wirklichen Möglichkeiten unterschätzt.
• Das Internet  wird kaum oder nur unzureichend für die Steuerung, Qualitätssicherung und Optimierung der Prozesse im Marketing eingesetzt.
Unwissenheit, Halbwissen, Distanz zur Technologie, Zeitmangel, etcetera liefern ausreichend Gründe, um dieses Thema „zwischenzuparken“.
Zur Erfolgskontrolle werden lediglich leicht verfügbare, jedoch wenig aussagekräftige Kennzahlen herangezogen, so zum Beispiel die Anzahl der Seitenaufrufe oder die Anzahl der Website-Besucher.
• Die vier P’s des Marketing Mix müssen im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes durch ein fünftes P ergänzt werden: das Potential Internet.
• Das Internet bietet effiziente und kostengünstige Ansätze, um Markenführung online für kleinere und mittelständisch geprägte Unternehmen professionell auf den Weg zu bringen. Dies passiert aber fast gar nicht, wie die Grafik „Spielwarenmarken im Vergleich“ zeigt.
• Aktive Markenführung als Voraus-      setzung und Erfolgsfaktor zur Erreichung und langfristigen Absicherung der Unternehmensziele muss in den Gesamt-Marketingprozess eingebunden werden. 82 von 100 Industrieunternehmen schöpfen nachweislich das Potential ihrer Marken zur nachhaltigen Steigerung des Unternehmenswertes nicht aus.

Fazit und Folgerung:
„Markenführung findet in vielen mittelständischen Unternehmen, aber auch in der Spielwarenbranche oft nicht statt!“ Spielwarenprofi Peter Kircher weiß, wovon er spricht. „Es erscheint so, als ob weder das Verständnis für, noch das Vertrauen in die ‘Macht der Marke’ in ausreichendem Maß vorhanden ist. Entsprechend wird auch der Wert einer Marke als elementarer Teil des Unternehmenswerts weit unterschätzt“, so Kircher.  Folgt man dieser Argumentation, so ist es auch nicht verwunderlich, dass in die Marke allzu oft nicht strategisch investiert wird. Kirchers Erfarungen bestätigen dies: „Viel mehr wird Markenführung als notwendiges Übel und somit als Kostenfaktor gesehen. Als größter Hebel zur Effizienzsteigerung im Marketing gilt fälschlicherweise meist die Ein-sparung und nicht die Steigerung der Maßnahmen-Qualität.“

Das komplette Brennpunktthema lesen Sie in Ihrer aktuellen TOYS-Ausgabe!

 
Branchenbeben made in China II

Martin Böckling, Geschäftsführer Spiel & SpassIn China bebte nicht nur die Erde: Kostensteigerungen bei den Löhnen, im Transport, durch immer höhere Prüfkosten, der Arbeitskräftemangel, die Welt-Währungskrise, der Wertverlust des Euro gegenüber dem Dollar – all das sind Faktoren, die die Spielwarenbranche hart treffen. Preiserhöhungen werden unvermeidbar sein. Doch wer soll sie tragen? Sibylle Dorndorf sprach mit Martin Böckling, Geschäftsführer Spiel & Spass, und bat via Rundruf Insider um ihre Meinung

Herr Böckling, Spielwarenproduktion scheint heute in China ein notwendiges Übel. Die Begehrlichkeiten haben sich hin zu anderen Branchen verlagert. Welche sind dies und können Sie verifizieren, wie viel Prozent an Produktions- und Arbeitskräften abgezogen wird?
Dies ist seriös nicht einzuschätzen. Fakt ist, dass sich in den letzten drei Jahren mehr als 50 Prozent der Spielwarenproduzenten vom Markt verabschiedet haben und entweder geschlossen wurden oder sich anderen Sortimenten zuwandten. In den von uns besuchten Fabriken werden in der Regel nicht nur Spielwaren, sondern auch Haushaltswaren et cetera produziert. Die deutliche Zunahme in der Produktion von hochwertigeren Gütern wie Consumer Electronics oder die boomende Autoindustrie haben viele Arbeiter bei besseren Löhnen absorbiert.

China arbeitet an seiner Infrastruktur, am Straßen- und Schienennetz. Kommt das nicht der Prozessoptimierung zu Gute?

Im Supply-Chain-Prozess ist eine verbesserte Infrastruktur sicher ein Erfolgsfaktor und vereinfacht Konsolidierungen und Transporte der Güter. Deshalb ist Deutschland ja in Europa recht erfolgreich in der Akquise von Investoren für Produktionsstandorte. Unser Vorteil ist neben gut ausgebildeten Fachkräften eben auch die Infrastruktur. Ein kleiner positiver Nebeneffekt in China ist für uns zudem, dass hierdurch Reisen zwischen den Fabriken verkürzt werden und besser zu ertragen sind.


Auch die Logistikkosten sind gestiegen. Heißt teurer denn auch schneller?
Dies gerade nicht, das ist ja der Aberwitz. Wie wir vor einigen Wochen den deutschen Nachrichten entnehmen durften, liegen rund 800 der 4.200 Containerschiffe umfassenden Flotte an der Ankerkette fest. Weitere 900 vor rund vier Jahren bestellte Frachter drängen in den Markt. Die Reedereien sind von den hohen Profiten der Vorjahre weit entfernt und die Anleger von Schiffsbeteiligungen mussten zum Teil schon nachschießen. Die Konsequenz sind längere Liegezeiten an der Pier, bis die Containerfrachter zu 80 Prozent beladen sind. Dies bedeutet höhere Liegekosten. Gedrosselte Fahrt, um Treibstoff zu sparen. Gleichzeitig wurden die Frachtraten fast verdreifacht. Von 650 US Dollar im September letzten Jahres zu prognostizierten 1.900 US Dollar in der Peak Season 2010. Und dies bei deutlich längeren Laufzeiten.

Wir haben dieses Interview auf zwei Folgen aufgeteilt. Fassen Sie für unsere Leser bitte die Ursachen für die Lieferengpässe und  Preiserhöhungen kurz zusammen?
Die Indikatoren sind ganz klar zu wenig Arbeiter, längere Produktions- und Transportzeiten. Zum Teil überzogene MOQ´s (Mindestbestellmengen), die auch der so genannten Domestic Industry, also den Importeuren, zu schaffen machen.

Wer „kleine“ Mengen ordert, hat in China heute das Nachsehen. Welche Volumina „lohnen" sich denn überhaupt noch?
Die Mengenfrage ist differenziert zu betrachten. Bei Trampolinen oder anderen Großteilen spielt sie eine unwesentliche Rolle. Da wir im Sport- und Technikbereich sehr stark sind, spielt auch der Auftragswert im letztgenannten Sektor eine maßgebliche Rolle. Natürlich gibt es überzogene MOQ´s, insbesondere bei kleinpreisigen Artikeln. Dies erschwert Produkttests beispielsweise für unsere Eigenmarken, da hier Mengen ab 20.000 Teilen gefordert werden. Aufgrund der steigenden Nachfrage aus den USA ziehen die Mindestbestellmengen generell an. Mancher Hersteller hat sie deshalb von 600 auf 3.000 Teile verfünffacht. Ob das wirtschaftlich sinnvoll ist, muss jeder für sich entscheiden. Nur muss ein wesentlicher Aspekt beachtet werden: In der Produktion geht es nicht bei der Abarbeitung der Aufträge nach dem FIFO-Prinzip, sondern hier steht die Ertrags- und Mengensteuerung im Vordergrund.

Das komplette Interview mit Martin Böckling lesen Sie in Ihrer aktuellen TOYS-Ausgabe!

 


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